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Als Verband der Studierenden aus Kurdistan e. V. (YXK) möchten wir auf einige aktuelle Ereignisse verstärkter aufmerksam machen und die Öffentlichkeit auf widersprüchliche Handlungen mancher Organisationen hinweisen. In kritischen Zeiten, wie wir sie derzeit für Kurden erleben, erscheinen uns manche Ereignisse von kurdischen Institutionen noch kurioser als sonst.
Am 06. März 2010 wurde auf die von KOMKAR (Verband der Vereine aus Kurdistan) organisierte Newroz-Feier neben herausragenden kurdischen Sängern wie Şivan Perwer und Delîl Dîlanar auch der AKP-Abgeordnete von Diyarbakır – Abdurrahman Kurt – eingeladen und hat eine Rede gehalten. Dieses Ereignis lässt schon zu Beginn viele Fragen aufkommen und wir wollen die Gründe eines solchen Handelns genauer betrachten. Es scheint ein ewiges Schicksal bzw. Leid der Kurden zu sein, dass sie gegeneinander ausgespielt werden und diesem Spiel leider immer wieder zum Opfer fallen. Vor weniger als einer Woche wurde ROJ TV, der kurdische Sender schlechthin, auf unwürdigste und rechtswidrige Art und Weise angegriffen, viele Mitarbeiter wurden verletzt und ein materieller Schaden von über 1 Mio. € verursacht. Davor wurden im Zusammenhang mit dem Parteiverbot der DTP 1500 Anhänger verhaftet, kurdische Kinder zu mehreren Jahren Haft verurteilt und militärische Operationen ohne Beachtung von Waffenruhen weiter fortgeführt. Trotz dieser Tatsachen erscheint uns die Einladung eines AKP-Abgeordneten zu einer Newroz-Feier als eine unethische Haltung und ist daher eine sehr große Enttäuschung. Gerade an Newroz, das für das kurdische Volk den Widerstand und Freiheitswillen symbolisiert, wird einem Abgeordneten der türkischen Regierung, die mitverantwortlich ist für die negativen Entwicklungen in der Heimat und der EU, die Bühne angeboten. Wir erinnern in diesem in diesem Zusammenhang an ein Zitat des Ministerpräsidenten Erdoğan: "Egal ob Kinder oder Frauen, wir werden gegen sie so vorgehen, wie wir es für notwendig halten". Wenige Tage darauf wurde vor laufender Kamera einem 15-jährigen kurdischen Jungen der Arm gebrochen. Dass der AKP-Abgeordnete nicht im offiziellen Programm von KOMKAR angegeben wurde, lässt weitere Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieses Verbands aufkommen. Auch letztes Jahr wurde ein weiterer Politiker eingeladen, dessen Auftreten mehr als suspekt zu bewerten ist. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir erinnerte an John F. Kennedy, als er die Bühne mit den Worten „Ez jî Kurdim“ (zu dt.: „Auch ich bin ein Kurde“) verließ. Dass er zuvor im September 2008 die einzige kurdische Moschee in Berlin angeklagt und ihre Schließung erwirkt hat, wurde von KOMKAR nicht weiter beachtet. Dieses Vorgehen hat nach unserer Ansicht das einzige Ziel, bestimmte kurdische Gruppierungen und Organisationen zu isolieren und sie zu schwächen. Wir verurteilen diese Herangehensweise eines kurdischen Verbands und rufen ihn dazu auf, der Politik zur Spaltung der Kurden in „Tauben“ und „Falken“, also in gute und schlechte Kurden, keine Hilfestellung zu leisten. Wir rufen gleichzeitig alle kurdischen Institutionen auf, im Sinne der gesamtkurdischen Interessen zu agieren, ohne sich selber durch solche Aktionen zu profilieren. Es kann nicht angehen, dass auf der einen Seite Kurden verfolgt, eingesperrt und kriminalisiert werden und es auf der anderen Seite Kurden gibt, die mit diesen Gegenmächten zusammenarbeiten. Diese Taktik des türkischen Staates und ihres sog. Dorfschützersystems kann und darf in Europa nicht durchgreifen.
– Verband der Studierenden aus Kurdistan e. V. (YXK) – 07. März 2010 |